Vorschau 2026

Waldbühne Zußdorf enthüllt neues Stück im voll besetzten Schalander

Wenn in Zußdorf die Waldbühne ruft, bleibt selten ein Stuhl frei. So auch jetzt mit rund 150 Neugierigen im Dorfgemeinschaftshaus Schalander, wo der Verein seine Pläne für das Theaterjahr 2026 präsentierte – ein Abend, der deutlich machte, wie sehr das Dorf sein Freilichttheater trägt und prägt. Das Vorstandstrio Martin Knaus, Thomas Gebhardt und Birgit Russ führte durch den Nachmittag und begann mit einem Blick zurück auf die noch junge, aber eindrucksvolle Geschichte des Vereins. Fünf große Freilichtproduktionen hat die Waldbühne seit ihrer Gründung gestemmt, dazu Konzerte, Lesungen und gemeinschaftsbildende Aktionen.

Der Verein zählt inzwischen rund 250 Mitglieder, ein starkes Zeichen für die Verwurzelung im Ort und der Gemeinde. Und: Für das Projekt 2026 muss die Waldbühne ein Budget von bis zu 130.000 Euro bewegen. Eintrittsgelder reichen dafür nicht aus. Erneut setzt man auf Spendenbereitschaft, Sponsoren und auf mögliche Auszeichnungen, wie sie in den Vorjahren bereits für finanzielle Entlastung sorgten.

Der Schalander-Nachmittag selbst hatte etwas von einem kleinen Dorffest. Viele Besucher kannten sich, Kinder huschten zwischen den Stuhlreihen hindurch. Von den Vorstandsmitgliedern gab es transparent Einblicke in Organisation, Logistik und Herausforderungen einer Produktion, die für vier Sommerabende ein ganzes Gelände verwandelt.

Die Waldbühne lebt nicht nur von Schauspielern, sondern auch von Technikern, Helfern beim kulinarischen Markt, Kostümschneiderinnen, Bühnenbauern und dutzenden Ehrenamtlichen, die sich schon jetzt auf den Arbeitsplan fürs neue Jahr eintragen. „Ohne sie könnten wir keine einzige Vorstellung realisieren“, betonte Thomas Gebhardt.

Erst im zweiten Teil der Veranstaltung rückte Regisseur und Autor Thomas Beck in den Mittelpunkt. Er stellte „Reigschmeckt“ vor – nicht mit langen Inhaltsdetails, sondern mit einem klaren Gedanken: Das Stück soll ein Spiegel der Dorfwirklichkeit sein, ein Blick auf Nähe, Gemeinschaft, politische Spannungen, Missverständnisse und eine Prise Selbstironie.

Bemerkenswert ist der ungewöhnliche Einstieg: Die Handlung beginnt nicht auf der Bühne, sondern mittendrin im Publikum, wo ein junger Mann durch die Sitzreihen läuft und von einer geheimnisvollen Figur auf die Bühne gezogen wird. Ab dann spielt das Stück mit Zeitebenen, Perspektiven und dem Blick auf das Dorf aus verschiedenen Jahrzehnten. Beck ließ mehr durchscheinen als er aussprach: „Es geht darum, wie wir miteinander umgehen – damals wie heute.“
Das kam im Saal gut an, mehrfach gab es zustimmendes Nicken.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand auch die gewaltige organisatorische Leistung, die ab Anfang des neuen Jahres ansteht. 60 bis 70 Darstellerinnen und Darsteller sollen mitwirken, dazu ein Team von mehreren Dutzend Ehrenamtlichen. Beck rechnet mit rund 110 Einzelproben, bevor im August 2026 der erste Vorhang fällt. Der bekannte kulinarische Markt mit den Spezialitäten aus der Region ist ein wesentlicher zusätzlicher Anziehungspunkt für einen Besuch in der Waldbühne. Diese Angebote sind ein Publikumsliebling und zugleich wichtig für die Finanzierung des Projekts.

Auffällig war an diesem Abend nicht nur die Vorfreude, sondern der Zusammenhalt. Eltern und Kinder, Alteingesessene und neu Zugezogene, Vereinsmitglieder und Zuschauer – sie alle saßen dicht an dicht im Schalander und hörten zu, diskutierten, stellten Fragen, boten Hilfe an.

Wer die Macher der Waldbühne Zußdorf in diesen Minuten beobachtete, verstand, warum jedes neue Stück funktioniert: Nicht wegen großer Budgets oder professioneller Ausstattung – sondern wegen einer Dorfgemeinschaft, die Theater nicht konsumiert, sondern lebt.

Text und Foto: Herbert Guth

Zum Foto:

Einen Vorgeschmack auf Inhalte des neuen Stücks auf der Waldbühne Zußdorf gab bei der Vorstellung von „Reigschmeckt“ eine Kindergruppe. Seine große Nase zeichnet einen der künftigen Hauptdarsteller aus, der hier im Vordergrund etwas abseitssteht.